es fing wohl an dem Tag an, als ich das erste Silberne entdeckte…
langsam beschlich mich das Gefühl: ich werde alt, ich bin wertlos, die Lust wird auch langsam ihr leidenschaftlich-rassiges in ein farbloses-störrisches verwandeln.

was ich mit dem Kopfhaar noch würdevoll auf dem Haupt trug und entgegen den üblichen Trends natürlich belassen hatte, wirkte nun beängstigend. Silber, aus meiner Muschi herausragend, nahm eine ganz andere Dimension an.

bedacht fing ich an mit Styles zu experimentieren – Hollywood, Landestreifen, Vogelnester,… all das fand seine Kuschelzone zwischen meinen Beinen. nur… so wirklich änderte sich nichts…. ausser meiner Fähigkeit Töne zwischen Schmerz und Gelächter, Brüllen und Weinen in crescendo-artigen Wellen zwischen den Waxing Kabinen verlauten zu lassen.

mein Sex sollte ja ohnehin nicht beeinträchtigt werden von diesem ‘alt’ sein.
mir schwebte nicht einmal im Traum vor, was noch alles kommen sollte.

der Körper schrie: hey Bitch, du hast immer noch die Chance Kinder zu bekommen! ich polstere mal deinen Schossraum mit Kuschelmaterial. und schwupp, einige Östrogene später hatte ich 10 kg mehr Weiblichkeit.
meine Stimmungen änderten sich mit jedem Atemzug.
auch die jahrelange Yoga Praxis hatte mich nicht darauf vorbereiten können.
nein, im Gegenteil… hätte ich nicht gewusst, dass ich auch ‘normal’ sein kann, wäre es wohl einfacher gewesen. durch Yoga erkannte ich die Wahnsinnige in mir mit jedem Atemzug, und auch immer anders wahn-sinnig.
irgendwann nahm ich sie an die Hand, wir machten Yoga, kochten, stritten, lachten und weinten zusammen. wir gegeneinander, miteinander und vor allem füreinander.

irgendwann fragten wir uns dann doch, wie es wohl mit dem Sex würde. so kurvig, weich mit silbernen Stoppeln?

… während ich das schreibe, sitze ich auf einem Hügel mit Blick über meine alte Heimat – Ubud, auf Bali. es ist ein regnerischer Tag und das Grün erstrahlt in den vielfältigsten Schattierungen. dazwischen die Frangipani und Hibiskus-Blüten, die dem grau-grün einen fröhlichen Touch geben. Melancholie macht sich breit.
meine Tränen bilden kleine Pfützen ob der Schönheit, die ich verlassen habe um nun in Europa zu wohnen. sie werden flüssiger. wie ein weich-warmer Strom, unaufhaltsam.
als würden sie alle Trauer loswerden.
was beweine ich hier eigentlich?
welchen Anteil von mir verabschiede ich gerade?
war es das junge Mädchen, die im Paradies lebte und nun ihre Heimat in einer alten, bekannten und erschreckend neuen Welt wiederfand?
die Nomadin, die wohl das erste Mal im Leben sesshaft wurde?
die Einfache, die mit wenigen Mitteln aus dem Nichts ein bombastisches Unternehmen aufgebaut hatte?
die Frau, die auszog, um ihresgleichen zu unterstützen, mit dem Besten was sie zu geben hat – ihrem authentischen Selbst?

die junge wilde, die unaufhaltsam die Welt bereiste, keine Gelegenheit verpasste, um spannende Abenteuer zu erleben?
diejenige, die einzigartige Momente erlebte, um heute zu sagen: wäre es morgen vorbei, habe ich alle Wünsche gelebt und kann ich Frieden gehen?

mir wird der Zeitpunkt meines Wechsels bewusst. es war der, als ich von der unbändigen, treibenden, sexuellen Kraft, in meine weise Kraft gewachsen bin.

mir gegenüber sitzt ein Mann auf dem Sofa. puhhhhh…

…. wieder zurück zum Schreiben.

Sex spielte keine Rolle mehr. ja, er wandelte sich von einer zwanghaften Völlerei – nur weil ich konnte – zu einer entspannten Nascherei.

er wurde eine begleitende Verköstigung. nichts ist entspannter als eine Leckerei mit allen Sinnen zu geniessen.
nein, diese Leckerei hat sich nicht verändert. was ich früher mal schnell im vorbeigehen verzehrte, zwischen kargen Felsen, eingequetscht in Sitzen der Deutschen Bahn, von einer Party davon stehlend, auf Decks von Segelbooten, oder mit Sand zwischen den Pobacken ist immer noch das gleiche geblieben.
WAS SICH VERÄNDERT HATTE, BIN ICH.

… und wieder fliessen die Tränen unaufhaltsam, gepaart mit einem frechen Lachen, wenn ich an die Jahre der ausschweifenden sexuellen Abenteuer denke. die Männer am Sofa gegenüber beachten mich gar nicht. alle paar Minuten verändern sich meine Laute, Mimik und Stimmung….

die Wilde in mir hat verstanden, dass mit meinem Körper und meinem Geist auch meine Sexualität eine Reife erreicht hat. in der Jugend, gierig sie baldmöglichst zu verzehren, hatte ich nie erkannt, dass diese nicht nachhaltig nährend sein konnte. so ganz und gar nicht zu vergleichen mit der geschmacklichen Explosion, die mit dem Genuss reifer Früchte einhergeht.

Männer, die mich sehen und erkennen, die jeden Teil meines Körpers liebkosen und im Spiel der Leidenschaft genauso viel die Delikatesse des Sommers spüren. reife, gestandene menschliche Wesen, die längst verstanden haben, dass es des Zusammenspiels der Polaritäten bedarf, um die volle Saftigkeit des Geernteten zu erreichen.
seine Sinnlichkeit mit meiner zu verschmelzen, um genussvoll jede Explosion der einzelnen Geschmacksnerven zu feiern.
uns auf dem Feld zu begegnen, in den wir uns als Mann und Frau in unserer Ganzheit erkennen und erleben.
in dieser zu schwelgen.
sie auf den Lippen zergehen zu lassen.
sie in den Schossraum hinein fliessen zu lassen.
den Bauch zu wärmen und das Herz zu öffnen.

… Stromasufall… noch immer sitze ich hier. lausche dem Spiel der Natur. erkenne die Vergänglichkeit, Transformation und Unendlichkeit von allem. die Erinnerungen lassen mich schmunzeln und manchmal auch staunen. was habe ich mir damals nur gedacht? ich lache los, als mir die Unbändigkeit auffällt, mit der ich durchs Leben gezogen bin. wie sie meinen Sex geprägt hat. hungrig und lechzend nach mehr, grösser, weiter, tiefer.
wie wollte ich das denn alles im Aussen generieren?

habe ich wirklich nie erkannt, wie viel Sexualität in mir trage?

die Männer auf dem Sofa gegenüber haben sich in ein Gespräch vertieft. ich betrachte sie mit Bewunderung. so viel Verletzlichkeit, Klarheit, Reife und Schönheit in ihrer Erscheinung. früher hätte ich alles gemacht, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. jetzt liebe ich die Beobachtungsgabe, die ruhende Kraft, die in meiner Selbstachtung liegen.

zu dem Zeitpunkt, als ich begonnen habe die Sexualität in mir zu entdecken, löste ich mich von dem Glauben ich bräuchte jemanden dafür. und plötzlich zog ich noch feinere Erlebnisse an. meine Begegnungen würden gewählter, meine Liebesorte ansprechender, die Männer wundervollerer, das Liebesspiel inniger, die Intimität berührender.

denn auch für eine Frau in den Wechseljahren ist der Zyklus in ihr präsent. genau wie sich auch die Zyklen der Natur einschwingen – unabhängig davon, ob die Erde fruchtbar ist oder Blüten bestäubt. alles ist zyklisch.

und so zelebriere ich diese Phase meines Lebens. die etwas silbern-angegraut und gelegentlich störrisch ist. noch lange ist es nicht vorbei.
genauso wie das grün-graue der Landschaft von Bali eingenebelt und düster wirkt, ist meine Lebensphase gesprenkelt mit duftendem Frangipani und reifen Früchten. aufgeblüht und köstlich, bereit für den Genuss. und auch nur für diejenigen, die diesen saftigsten ReifeMoment zu schätzen wissen.

in Liebe.

Violeta

dies ist mein Beitrag zur Blogparade von LEMONDAYS
WEIBLICHE LUST AB 40: SEXY, WILD & SINNLICH. ODER ETWA NICHT?
https://lemondays.de/wechseljahre/sexualitaet/

Silberfäden eingefangen:
by Darshana Fotografie
https://darshana-fotografie.de/

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