… schrie die junge Frau die Ältere an. in hohen Schuhen, die ihre schlanken Knöchel zum Ausdruck brachten, einem schwingend-leichten Rock, der zart ihre sexy Beine umspielte. ich bewunderte, wie sie nicht zwischen den Kopfsteinplastern hängen blieb.

die Ältere. weiter hinter ihr. im maximalen Tempo, dass sie heute schaffen und ihr nicht wirklich folgen konnte.

meinen Blick bemerkend, spürte ich, dass sie beschämt war.

unklar, ob aufgrund ihrer eigenen Schwäche oder der Demütigung durch ihre Tochter.
ihren Schmerz konnte ich spüren.
und seufzte …

nach Jahren des Reisens, meine Eltern nun in der Nähe wissend, fühlt sich jeder Tag mit ihnen wie ein neu gewonnener an.
sie kennen andere Dinge als ich,
sie sind weniger schnell als früher,
ihr Atem ist manchmal schwerer,
Bücken geht nicht mehr so gut,
sie werden schneller müde,
ihre Haut ist leicht durchsichtig
und jedes Mal wenn ich sie sehe, wird ihr Lächeln von mehr und mehr Falten umrahmt.

schau‘ sie dir an.
schau‘ deine Eltern an.
gucke ihnen tief in ihre Augen.
finde den Funken, der sie in Gang hält.
während wir aufwachsen, wachsen sie älter.

spürt du ihre Angst vor dem Ende, ihren Mut mithalten zu wollen, ihre Scham nicht mehr so viel geben zu können, ihre Frage, ob sie noch gut genug sind für diese Gesellschaft, wenn schon nicht für die eigenen Kinder?

ist ihre Schnelligkeit, Weichheit, Verletzlichkeit, Anschauung, vor allem aber die Unfähigkeit der modernen Technologie, dem raschen Wandel der Zeit zu folgen, eine Herausforderung für dich?

reiche ihnen deine Hand.
küsse sie.
hab Geduld.
und merke dir…
wer war es wieder, der dich ermutigt hat nicht mehr in die Windel zu scheissen?

in Liebe.
so erwachsen.
und manchmal so doof.

Violeta Labella

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