neulich wachte ich mitten in der Nacht auf, da ich Schreie hörte, die mir das Blut in den Adern gefrieren liessen.
im 300 m entfernten Tempel schein ein Ritual stattzufinden. zuerst erschrocken, jedoch schnell wieder beruhigt schlief ich ein. es schien etwas im Tempel zu passieren und die Zeremonien fanden tÀglich statt.

diejenigen von euch die Bali kennen, wissen dass:

es hier tÀglich mehrmals Gebete / Gaben gibt

regelmÀssig Zeremonien stattfinden

diese auch oft die ganze Nacht dauern können

an sich nichts Verwunderliches…
daher dachte ich auch nicht weiter darĂŒber nach.

vorgestern Nacht landete ich, die Strasse entlang schlendernd im Tempel. ich unterhielt mich mit den Balinesen und trotz sprachlicher Herausforderungen stellte ich bald aus dem Gesagten fest:

„das ist eine Corona Zeremonie!“
und wunderte mich:
„eigenartig, dass es das auch in deren Kultur gibt.“
die Zeremonie ging ĂŒber mehrere NĂ€chte und war darauf ausgerichtet den Geist von Corona anzusprechen, ihn zu wĂŒrdigen und zu bitten die Insel und alle Menschen hier zu verschonen.
man betrachtet ihn nicht mit Panik und Sorge, sondern mit der gleichen WertschÀtzung, die man allen Organismen und Lebewesen zuteil werden lÀsst hier.
man sieht ihn als etwas NatĂŒrliches, eine Gegebenheit an, das auch seine Daseinsberechtigung hat. macht kleine Gaben, um seinen Geist zu bitten Sanftmut walten zu lassen.

es sind jetzt fast 10 Jahre in denen Bali meine Heimat war und durch die Yoni Egg Produktions auch meine zweite Basis. es ist der Ort an den ich immer wieder zurĂŒck kehre. der Teil der Welt, der mir nach dem Verschwinden meiner Heimat gefĂŒhlt am nahesten ist.

in den vielen Jahren habe ich unglaublich Wertvolles gelernt. ich habe verstanden, dass die Balinesen die Welt anders betrachten. was mir im ersten Moment eigenartig vorkam, scheint mittlerweile so zur NormalitÀt geworden. manchmal erwische ich mich, dass auch ich so anders denke.

die unendliche Kraft und grenzenlose FĂ€higkeit dieser Inselbewohner einen sicheren Ort der WertschĂ€tzung fĂŒr Alles und Liebe fĂŒr Alle zu gestalten ist mir immer wieder eine Faszination.

ich weiss, dass wir in ‚unserer‘ Welt so verfangen sind in Wissenschaftlichem, ÜberprĂŒfbarem, dem Versand Nachvollziehbarem, dass wir an Geister – wie hier den eines Virus – nicht glauben.
ich weiss nicht, ob es wirkt.
auch habe ich keine Berechtigung an Gewissheit, dass es nur den einen oder anderen Weg gibt.

allerdings denke ich, dass wir etwas von beidem brauchen könnten.
das Faktische, ZĂ€hlbare.
das Unsichtbare, AllmÀchtige.

Bali ist und bleibt einer der phÀnomenalsten Fleckchen dieser Erde.

mögen die Kraft und Gebete der Insulaner ihre Heimat schĂŒtzen, deren Menschen und auch weiterhin einen sicheren Hafen bieten fĂŒr Suchende aus aller Welt.

ich bin dankbar gelernt zu haben die Welt mit vielerlei Augen zu betrachten und Momente um mich herum mit einem Staunen zu beobachten!

auf dass die Geister besÀnftigt wurden!
mit Liebe und Mut!

Violeta

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