ungefragte Souvenirs von Männern stoppen

ein Dickpic ist ein umgangssprachliches partielles Kurzwort für ein Penisbild, das über das Internet verschickt wird, aber auch per konventioneller Post versandt oder anderweitig veröffentlicht werden kann, z. B. durch Aufkleber, Poster oder Graffiti. Quelle: Wikipedia

während eines kürzlichen Insta-Live-Interviews zu meinem neuen LustBewusst Programm wurde die Verbindung ständig unterbrochen. es war so intensiv, dass wir unser Gespräch vorzeitig beenden mussten. nachdem ich meine inzwischen explodierende Inbox geprüft hatte wurde mir sehr schnell klar woran es lag. ein verzweifelter Mann hat mir seine armseligen Onanier-Versuche per Video eingespielt…. Dutzende von Videos.

kurz studierte ich sein Profil. Fotos eines trainierter Körpers. halb bekleidet in lasziven Posen. Tarnkleidung. Schlammbad. Nacktbad. Waffen.

dazwischen immer wieder: er als Vater. die Kommunion seiner Tochter. Urlaub mit der Familie.

fast hätte er mein Herz getroffen… allerdings. hatte ich kein Bildmaterial angefragt.

ich postete auf Instagram, dass er mich mit Videos belästigt. daraufhin blockte Instagram meinen Post. wie dumm von mir… ich hatte glatt vergessen, dass ‘Dickpic Götter’ die Öffentlichkeit scheuen und Instagram sie dabei gut unterstützt.

-> also schrieb ich ihm, dass er damit aufhören soll.

das war meine erstmalige Aufforderung das ungefragte Zusenden zu stoppen. eine grosse Lektion zum Thema Klarheit beim NEIN-Sagen habe ich nämlich selbst als Teilnehmerin bei einer Tantra-Veranstaltung gelernt.

warum ich ihn nicht direkt geblockt habe? nun… in dem Fall habe ich ja kein Beweismaterial mehr. Zugang zu keinerlei Daten. auch kann ich nichts weiter machen. nicht einmal Screenshots seines Prachtstückes. somit liess ich ihn noch etwas gewähren.
er fand meine zweite Aufforderung aufzuhören offensichtlich als Ermunterung und machte seelenruhig weiter mir seine Live-Videos zu schicken. als ich ihn sagte welch grossartiger Vater und Vorbild er ist, blockte er mich. für mich reichte das Material inzwischen.

es gibt nämlich eine Bewegung, die Frauen unterstützt.
HACKATON GEWINNER BERLIN 2020
DICKSTINCTION‚ nennt sie sich.

die Seite hilft dir s/x Belästigung im Netz innerhalb von Minuten zur StragAnzeige zu bringen.

  • du erstellst ganz einfach eine Anzeige
  • speichere dazu die zugesandten Fotos
  • idealerweise auch den Nachrichtenverlauf
  • der Versender wird über die Polizei ermittelt
  • die Polizei sorgt bei Social Media für die Löschung des Nutzers
  • eine Öffnung weiterer Profile wird gesperrt
  • du erfährst über den ErmittlungsEndstand

es ist bedauerlich, dass wir so etwas brauchen. allerdings eine Bereicherung für die digitale Übergrifflichkeit mit der – vor allem wir Frauen – leben.

nun magst du denken…

  1. na ja, betrifft mich nicht.
  2. na ja, selber Schuld
  3. na ja, bei dem worüber du sprichst Violeta, kein Wunder!

erstens:
sehr viele von uns haben bereits ungefragt Dickpicks erhalten. nächstes Mal könnte es auch ein Kind sein. schätze dich heute jedenfalls glücklich nicht am empfangenden Ende dabei zu sein.

zweitens:
Opfer-Bashing ist sehr populär vor allem bei denen, die nichts Sinnvolles beizutragen haben. für mich gleichgesetzt mit einer der niedersten Formen des Menschseins. näher zusammen zu kommen in solchen Situationen ist eher in unserer Natur. tatsächlich sind ausserhalb bestimmter Szenen die wenigsten Frauen daran interessiert Gewalt zu erfahren.

drittens:
ja, ja, ja… ich weiss. offen über Intimes zu sprechen ist auch in 2021 nicht so ok. schade, wenn es als Freischein für Übergriffe gesehen wird. denn auch wenn ich über den Ozean spreche möchte ich ja nicht darin ersaufen, oder?
ich betrachte es anders, nämlich…

genau weil ich das mache was ich mache ist mir bewusst:

  • was ich möchte und was nicht.
  • wo meine Grenzen sind.
  • was ich respektiert haben möchte.
  • Wachsein für Grenzüberschreitungen.
  • …. vor allem denen gegenüber, die vulnerabler sind als ich.

eine grossartige Unterstützung auf diesem Weg war eine meiner Mentorinnen Betty Martin mit ihrem international anerkannten Tool zum Bewusstwerden von Einvernehmlichkeiten – dem Wheel of Consent.

du findest im Netz viele Informationen dazu zur ‘Dickstinction’-Plattform und ich wünsche dir, dass du sie nie brauchen wirst.

Stopp den Dickpics.
setz deine Grenzen, Frau.

 

deine Violeta Labella

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