drinnen liegt die Kraft – oder so…

 

Was eine Yoni-Massage mit meinem Selbstbild als Frau zu tun hat? Ich würde sagen: so ziemlich ALLES. Aber dafür muss ich jetzt ein bisschen weiter ausholen… Zurück in meine Kindheit: Ich bin ziemlich konservativ und vor allem religiös aufgewachsen. Sehr früh habe ich gelernt, dass Mädchen vor allem eines zu sein haben: „brav“. An diesem Wort stosse ich mich bis heute. Denn ich bin zum Inbegriff des braven Mädchens geworden. Was ich bis zu diesem Tag super kann: lächeln, freundlich sein, nicht anecken – und habe ich lächeln schon erwähnt? Ich bin jemand, den man einfach gerne um sich hat, weil ich gelernt habe mich anzupassen, wie das Mädchen eben so tun.
Das Ding ist nur: Ich bin mittlerweile eine Frau. Teilweise gefangen in genau diesen alten Denk- und Verhaltensmustern. Und ziemlich abgeschnitten von meiner weiblichen Kraft, von der ich weiß, dass sie existiert. Irgendwo da drinnen.
Deshalb habe ich mich seit einem Jahr auf die Suche gemacht und begonnen, mein Leben neu auszurichten. Erst Abgrenzung, dann Sinnsuche, dann Rückbesinnung. Rückbesinnung auf mich. Und der nächste Schritt, den meine innere Stimme mir immer wieder zuflüstert, ist: Lust! Widme dich deiner Lust, Frau. Also tue ich das.

Yoni-Massage? Was bitte soll ich tun?

Ich fange an, mich umzusehen. Es gibt sie ja, diese Frauen, die total in Verbindung mit sich selbst sind und sich hingeben können. Von denen will ich lernen. Ich fange an, Coachings zu besuchen, YouTube-Videos zu schauen und Bücher zu lesen. Eines davon “Coming Soon” hinterließ mächtigen Eindruck auf mich. Was? Das kann Frau lernen? Und es gibt mehrere Arten des Orgasmus?

„How to: Orgasmus“ – verdammt! ja, das will ich!

Ich hatte nämlich noch nie einen. Meine innere Stimme sagt mir, der Weg zu meiner Weiblichkeit liegt in meiner Fähigkeit zum vaginalen Orgasmus. Okay. Wow.

„Und wie soll das gehen?“, frage ich die innere Stimme.
„Finde es raus“, sagt sie.

Dann also los. In einem Youtube-Interview, das ich ansehe, werde ich auf Violeta Labella aufmerksam. Sie produziert Yoni Eier, ist Dakini, also Tantrika und IntimitätsCoach für Frauen, die sich mehr in ihrer Lust spüren möchten. Ich vereinbare einen Termin mit ihr und bestelle – natürlich – gleich mein eigenes Yoni-Ei.

Ungefiltert wie Violeta ist fragt sie mich geradeheraus, wieviel Sex ich habe. Ha! Violeta! Der war gut – im Moment gar keinen. Außer vielleicht, den Sex mit mir selbst. Aber wie geht der denn eigentlich…?

Lust als Projekt

Genau das möchte ich herausfinden. Auch Violeta rät mir zu lernen, mich selbst zu berühren. Yoni-Massagen seien dazu eine wunderschöne Methode. Okay. Dann probiere ich das also, mit dem Geist einer Forscherin. Die Lust wird zu meinem Projekt. Ich fange an, mir dafür Zeit einzuräumen. Yoga mache ich ja auch täglich, warum also nicht auch vaginale Massagen?

Das erste Mal ist einfach nur seltsam. Ich fühle mich wie ein Fisch im Trockenen – Yoni trocken, ha, wie passend! Besser könnte man es nicht in ein Wort fassen.

Mit viel Kokosöl reibe ich meine Finger ein und fange an, mich innerlich zu erkunden. Dabei nutze ich gar nicht die Meditation, die Violeta mir zur Verfügung gestellt hat. Ich spüre gar nichts. Außer, dass es hier und da unangenehm ist, und ziemlich eng. Ich drücke und massiere und streiche, aber da tut sich nichts. „Morgen wieder“, denke ich. Und ich mache wirklich weiter. Denn obwohl es sich seltsam anfühlt, weiß ich, dass es da irgendwann mehr geben wird. Nämlich, mehr zu spüren und mehr zu erleben. In den nächsten Wochen kommen während der fast täglichen Yoni-Massagen immer wieder neue Dinge ans Licht:
Manchmal erwische ich einen Punkt, der plötzlich ganz weich wird und ich spüre sowas wie Lust und eine Verbindung zu einer ganz tiefen Stimme in mir. Dann wieder bin ich total verkopft und denke an die Kirche und daran, dass das alles total peinlich ist. Aber ich lasse alles da sein, was so hochkommt, und bleibe dran.

Die Kraft liegt im Loslassen

Dann hab‘ ich irgendwann eine fast spirituelle Erfahrung. Während einer Yoni-Massage (gleich nach dem Yoga), kann ich mich zum ersten Mal etwas mehr fallen lassen und muss nicht mehr ständig denken und bewerten. Für ein paar Sekunden offenbart sich mir etwas: Da ganz tief unten innen drinnen gibt es einen Punkt in mir, der will loslassen.
Loslassen und empfangen.

Plötzlich ist mir ganz klar: Ich darf im Leben auch empfangen!

Denn das, was ich im Alltag ständig mache, ist tun, tun, tun. Als ob ich immer TUN müsste, um dann etwas bekommen zu dürfen. Aber meine Vagina lehrt mich gerade in diesem Moment das Gegenteil: Nein, ich muss NICHTS TUN, um zu empfangen. Ich lasse das zu: mich, das Leben, die Lust – die LUST AUFS LEBEN. die LebensLust.

Tja. Wie ich bereits durchklingen ließ: Die Erfahrung dauert nur ein paar Sekunden. Dann schaltet sich mein bester Freund, das Hirn, wieder ein und erklärt mir, was ich gerade empfunden habe. Vielen Dank für deine ausführlichen Analysen Hirn, auf dich ist echt Verlass!

Egal. Durch die regelmäßigen Yoni-Massagen habe ich eine Ahnung bekommen von einer neuen Lebensqualität. Und genau danach werde ich weitersuchen. Und zwar ganz tief in mir drinnen – da, wo meine Weiblichkeit beginnt. Und die ist eines ganz bestimmt nicht: „ein braves Mädchen“.

Gastbeitrag by E. S. * Austria

BESTELLUNG